Essen und Trinken bei Demenz · Modul 3 · Lektion 1

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Die Frage nach den „richtigen“ Lebensmitteln

Ihr LernzielSie ordnen Ernährungsversprechen realistisch ein und wissen, worauf es bei der Ernährung wirklich ankommt — je nachdem, ob genug oder zu wenig gegessen wird.

Kaum ein Thema erzeugt so viel Hoffnung und so viel schlechtes Gewissen wie dieses. Fisch, Nüsse, Olivenöl, Beeren, grünes Gemüse — angeblich gut für das Gehirn. Und im Umkehrschluss: Wer Pflaumenkuchen isst, tut angeblich etwas falsch.

Lassen Sie mich das gerade rücken, denn hier wird viel Druck erzeugt, der nicht nötig ist.

Das Wichtigste zuerst

Keine besonderen Bedarfe

Menschen mit Demenz haben keine speziellen Energie- und Nährstoffbedarfe gegenüber anderen älteren Menschen. Es gibt keine Demenz-Diät und kein Lebensmittel, das den Verlauf aufhält.

Was gilt, gilt für alle älteren Menschen: Eine ausgewogene Kost mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten sowie mageren, eiweißreichen Lebensmitteln ist zu empfehlen — sie tut dem gesamten Körper gut und kann auch die geistige Leistungsfähigkeit unterstützen.

Die entscheidende Weiche: Wird genug gegessen?

Alles Weitere hängt an einer einzigen Frage. Und die Antworten fallen fast gegensätzlich aus — das ist der Punkt, an dem die meisten Ratgeber Angehörige verwirren.

Dieselbe Erkrankung, zwei völlig verschiedene Ernährungsziele.
SituationWas gilt
Es wird ausreichend gegessen, das Gewicht ist stabilGanz normale, ausgewogene Ernährung wie für alle älteren Menschen. Viel Gemüse und Obst, Vollkorn, ausreichend Eiweiß, genug Flüssigkeit. Kein Grund für Sonderregeln.
Es wird zu wenig gegessen, das Gewicht sinktJetzt zählt zuerst, dass überhaupt gegessen wird. Das Angebot soll genügend Energie und Nährstoffe liefern und Vorlieben, Wünsche und Gewohnheiten berücksichtigen. Anreichern ist ausdrücklich erwünscht.

Anders gesagt: Ein Ernährungsratschlag ohne Blick auf das Gewicht ist wertlos. Wer stabil ist, darf ausgewogen essen. Wer abnimmt, darf und soll alles essen, was schmeckt und Energie liefert.

Was ist mit Nahrungsergänzung und Trinknahrung?

Beides kann sinnvoll sein — zum Beispiel, um einen Mangel an Vitamin D, Vitamin B12 oder Omega-3-Fettsäuren auszugleichen. Aber: Das gehört ärztlich besprochen, nicht im Drogeriemarkt entschieden. Sinnvoll ist eine Ergänzung, wenn ein Mangel tatsächlich vorliegt oder die Zufuhr sicher zu gering ist. Als Ersatz für Mahlzeiten taugt sie nicht: Trinknahrung ersetzt keine Gemeinschaft am Tisch, und genau die wirkt am stärksten.

Und die Beeren, der Fisch, das Olivenöl?

Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Gesundheit — auch dann, wenn bereits eine Demenz besteht. Das ist gut belegt und ein vernünftiger Grund, weiterhin auf gutes Essen zu achten. Was daraus nicht folgt: dass ein bestimmtes Lebensmittel eine bestehende Demenz aufhält. Wer Ihnen das verspricht, verkauft Ihnen etwas.

Familie Radtke — Anjas Einkaufsliste

Anja hat drei Abende lang im Internet gelesen. Jetzt steht auf ihrer Liste: Lachs zweimal die Woche, Walnüsse, Heidelbeeren, Olivenöl, Brokkoli. Dazu ein hochdosiertes Omega-3-Präparat aus dem Onlineshop, 49 Euro die Dose.

Ihre Mutter wiegt 54 Kilo bei 1,66 Metern und hat im letzten Vierteljahr weiter abgenommen. Heidelbeeren mag sie nicht. Pflaumenkuchen isst sie immer noch gern.

Anja Radtke-Möller

„Ich will doch irgendetwas tun können. Wenn ich schon die Krankheit nicht aufhalten kann, dann wenigstens richtig einkaufen. Sonst komme ich mir so nutzlos vor.“

Anja, 52

Was raten Sie Anja?

Giselas Gewicht sinkt weiter, und Anja kauft Lachs, Walnüsse und Heidelbeeren. Was ist der wichtigste Hinweis für Anja?

Kerstin Bergmann, Beraterin im Demenznetz
Fachliche Einordnung · Frau Bergmann

Anjas Satz „Ich will doch irgendetwas tun können“ ist der ehrlichste Satz dieser Lektion. Die Einkaufsliste ist ein Versuch, Kontrolle über etwas zu gewinnen, das sich nicht kontrollieren lässt. Das verstehe ich gut — und trotzdem muss ich sie bremsen, denn ihre Mutter nimmt weiter ab.

Ich sage es Angehörigen bewusst deutlich: Bei drohender Mangelernährung ist der Pflaumenkuchen die richtige Antwort und der Lachs die falsche — wenn der eine gegessen wird und der andere nicht. Das fühlt sich falsch an, weil wir jahrzehntelang das Gegenteil gelernt haben. Es stimmt trotzdem.

Wenn Sie etwas tun wollen, das wirklich hilft, dann ist es weniger die Einkaufsliste als dies: regelmäßig wiegen, gemeinsam essen, kräftig würzen, anreichern — und die Ergänzungspräparate mit der Hausärztin besprechen statt online zu bestellen.

Woran Sie unseriöse Versprechen erkennen

Im Zweifel: Fragen Sie in der Hausarztpraxis oder bei uns in der Beratung nach. Das kostet nichts und erspart Ihnen viel Geld und schlechtes Gewissen.

Zum Mitnehmen
  • Es gibt keine Demenz-Diät und kein Lebensmittel, das den Verlauf aufhält.
  • Menschen mit Demenz haben keine besonderen Nährstoffbedarfe gegenüber anderen älteren Menschen.
  • Gewicht stabil → ganz normal ausgewogen essen.
  • Gewicht sinkt → Energie und Vorlieben haben Vorrang, anreichern.
  • Nahrungsergänzung und Trinknahmittel: sinnvoll möglich, aber ärztlich besprechen — und nie als Mahlzeitenersatz.

Wissenscheck

Menschen mit Demenz brauchen eine spezielle Ernährung mit anderen Nährstoffmengen als andere ältere Menschen.

Wann ist Trinknahrung aus der Apotheke eine gute Idee?