Demenz verstehenModul 2: Verstehen und begleitenLektion 5
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Lernziel: Sie kennen konkrete Kommunikationsregeln, die Gespräche mit Menschen mit Demenz gelingen lassen.

Im Alltag gut kommunizieren

Gute Kommunikation ist die wirksamste „Medizin" im Alltag — sie schafft Sicherheit und bewahrt die Beziehung. Ein paar einfache Regeln helfen dabei mehr als jede Diskussion.

iSieben Regeln, die den Alltag leichter machen
  • Zuwendung zeigen: Blickkontakt aufnehmen, mit Namen ansprechen, in Ruhe herangehen.
  • Einfach sprechen: kurze Sätze, eine Information nach der anderen.
  • Zeit lassen: nach einer Frage geduldig auf die Antwort warten.
  • Nicht korrigieren, nicht diskutieren: Rechthaben verunsichert — Beziehung ist wichtiger als Fakten.
  • Gefühle bestätigen: „Ich sehe, das macht dir Sorgen" — das Gefühl ist echt, auch wenn der Inhalt es nicht ist.
  • Körpersprache nutzen: ruhige Stimme, freundliche Mimik, eine Berührung, wenn sie willkommen ist.
  • Bei Anspannung ablenken: sanft das Thema wechseln, statt zu überzeugen.

Diese Haltung nennt man auch validierend: Man nimmt die Wirklichkeit des anderen ernst, statt sie zu widerlegen. Das nimmt Druck — von beiden Seiten.

Anja und Werner besprechen, wie sie mit einer Frage umgehen, die immer wiederkehrt: Gisela fragt oft, wann ihre Mutter denn komme — die vor über dreißig Jahren gestorben ist.

Werner
WernerIch kann ihr doch nicht jedes Mal sagen, dass ihre Mutter tot ist. Das bricht ihr jedes Mal neu das Herz.
Anja
AnjaFrau Bergmann hat gesagt: Nicht den Fakt, das Gefühl. Frag sie doch, wie ihre Mutter war. Dann ist sie bei etwas Schönem.
📋„Wann kommt Mutter?"

Gisela fragt zum wiederholten Mal, wann ihre (längst verstorbene) Mutter komme. Werner möchte nicht lügen, aber die Wahrheit löst jedes Mal frischen Schmerz aus.

Wie entscheiden Sie? Wie ließe sich validierend antworten, ohne Gisela erneut zu verletzen?

Übung

Welche Reaktion ist im Sinne guter Kommunikation am hilfreichsten?

Kerstin Bergmann, Demenznetz
Fachliche Einordnung · Frau Bergmann

Validieren heißt nicht lügen — es heißt, das Gefühl ernst zu nehmen statt den Faktenfehler zu bekämpfen. Gisela fühlt sich verbunden und geborgen, wenn sie an ihre Mutter denkt. „Erzähl mir von ihr" öffnet einen warmen Raum, in dem sie sich sicher fühlt. Werner und Anja haben genau das erkannt — Beziehung vor Rechthaben.

Zusammenfassung
  • Blickkontakt, Namen nennen, in Ruhe herangehen.
  • Kurze Sätze, eine Information nach der anderen, Zeit lassen.
  • Nicht korrigieren oder diskutieren — Beziehung vor Fakten.
  • Gefühle bestätigen (validieren) und Körpersprache bewusst einsetzen.

Wissenscheck

Es ist am besten, falsche Aussagen konsequent richtigzustellen, damit die Person „im Hier und Jetzt" bleibt.