„Finden Sie heraus, was der Auslöser ist“ — diesen Rat bekommen Angehörige oft. Er ist richtig. Nur ist er im Alltag kaum zu befolgen, denn im Moment des Ausbruchs sind Sie beschäftigt, angespannt und ganz sicher nicht in der Lage, nüchtern zu analysieren.
Deshalb geht es anders herum: Sie analysieren nicht im Moment, sondern hinterher — und Sie machen das schriftlich. Nicht weil Papier magisch wäre, sondern weil unser Gedächtnis bei belastenden Ereignissen unzuverlässig ist. Was ähnlich weh tat, verschmilzt.
Vier Spalten genügen
| Spalte | Was hineingehört | Beispiel |
|---|---|---|
| Wann | Datum, Uhrzeit — die Uhrzeit ist die wichtigste Information überhaupt | Mi, 17:10 |
| Was war davor | Die letzten fünf bis zehn Minuten. Wer war da, was lief, was wurde verlangt | Nachrichten liefen, ich wollte sie zum Duschen holen |
| Was geschah | Beobachtbares, ohne Deutung: was gesagt und getan wurde | Sie schob meine Hand weg, wurde laut, ging ins Schlafzimmer |
| Was half | Was die Lage beruhigt hat — oder was sie verschlimmert hat | Rausgehen, zehn Minuten später Radio an: ging von selbst |
Warum „Was war davor“ die entscheidende Spalte ist
Aus der letzten Lektion wissen Sie: Der Ausbruch ist das Ende einer Kette. Wer nur das Ende notiert, hat lauter Einträge, die alle gleich aussehen. Erst die Vorgeschichte macht Muster sichtbar.
Und Muster sind der eigentliche Gewinn. Nach zwei bis drei Wochen sehen die meisten Familien etwas, das sie vorher nicht gesehen haben:
- Es passiert fast immer zur selben Tageszeit.
- Es passiert bei einer bestimmten Tätigkeit — sehr oft bei der Körperpflege.
- Es passiert, wenn eine bestimmte Person da ist oder gerade geht.
- Es passiert nach Terminen, Besuch oder Ortswechseln.
- Es passiert, wenn zwei Dinge gleichzeitig verlangt werden.
Jedes dieser Muster lässt sich angehen. Ein Zeitmuster verschiebt man. Eine Tätigkeit gestaltet man um. Eine Reizquelle nimmt man weg.
Wie Sie es durchhalten
Der häufigste Grund, warum solche Bögen scheitern, ist nicht Zeitmangel, sondern Perfektion. Es geht nicht um Vollständigkeit. Zwei Wochen reichen. Zwei Sätze pro Eintrag reichen. Ein Zettel am Kühlschrank oder eine Notiz im Handy reicht.
Und noch etwas: Notieren Sie auch die guten Tage. Was an einem ruhigen Tag anders war, ist mindestens so aufschlussreich wie das, was an einem schwierigen Tag schiefging.