A
Agnosie
Das Gehirn kann Sinneseindrücke nicht mehr richtig einordnen. Vertraute Gegenstände oder Gesichter werden zwar gesehen, aber nicht mehr erkannt.
Auch: Erkennungsstörung
Aktivitäten des täglichen Lebens
Die alltäglichen Verrichtungen wie Waschen, Anziehen, Essen, Toilettengang und Bewegung. Wie gut sie noch gelingen, zeigt den Unterstützungsbedarf.
Auch: ADL, Alltagsaktivitäten
Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz (etwa zwei von drei Fällen). Sie beginnt meist schleichend mit Gedächtnisproblemen; im Gehirn lagern sich krankhafte Eiweiße ab.
Auch: Alzheimer, AD, Morbus Alzheimer
Amnesie
Ein Verlust von Erinnerungen. Betroffene können sich an zurückliegende Ereignisse nicht mehr erinnern oder sich Neues nicht mehr merken.
Auch: Gedächtnisverlust
Anamnese
Das Gespräch, in dem eine ärztliche oder pflegerische Fachkraft die Krankengeschichte, Beschwerden und Lebensumstände erfragt. Bei Demenz werden oft auch Angehörige einbezogen.
Auch: Krankengeschichte
Angebote zur Unterstützung im Alltag
Anerkannte Hilfen, die den Alltag erleichtern und Angehörige entlasten, zum Beispiel Betreuungsgruppen oder Alltagsbegleitung (§ 45a SGB XI). Sie können über den Entlastungsbetrag bezahlt werden. Welche Angebote anerkannt sind, regelt das Land Sachsen-Anhalt.
Auch: AUA, Entlastungsangebote, niedrigschwellige Angebote
Antidementiva
Medikamente, die den geistigen Abbau bei bestimmten Demenzformen eine Zeit lang verlangsamen oder Beschwerden mildern können. Sie heilen die Demenz nicht.
Auch: Cholinesterasehemmer, Memantin, Demenzmedikamente
Apathie
Ein anhaltender Verlust von Antrieb und Interesse. Betroffene wirken teilnahmslos und ergreifen kaum noch von sich aus die Initiative.
Auch: Antriebslosigkeit, Teilnahmslosigkeit
Aphasie
Eine Störung der Sprache. Das Sprechen, das Finden von Wörtern oder das Verstehen von Gesprochenem fällt schwer, obwohl die Stimme selbst gesund ist.
Auch: Sprachstörung
Apraxie
Eine Störung von geplanten Handlungen. Vertraute Bewegungsabläufe wie Anziehen oder Zähneputzen gelingen nicht mehr richtig, obwohl die Muskeln gesund sind.
Auch: Handlungsstörung
B
Barrierefreiheit
Orte, Angebote und Informationen sind so gestaltet, dass alle Menschen sie ohne fremde Hilfe nutzen können, auch mit Einschränkungen. Dazu gehört auch verständliche Sprache.
Auch: Leichte Sprache
Basale Stimulation
Ein pflegerischer Ansatz, der über einfache Sinnesreize wie Berührung, Wärme oder Musik Nähe und Wohlbefinden vermittelt, besonders bei schwerer Demenz.
Beratungsstelle
Eine Anlaufstelle, die kostenlos und vertraulich zu Pflege und Demenz berät: zu Diagnose, Alltag, Leistungen und Entlastung. Im Landkreis vermittelt das Demenznetz passende Stellen.
Betreuungsbehörde
Eine Stelle beim Landkreis. Sie unterstützt bei Fragen zu rechtlicher Betreuung und Vollmacht und kann die Unterschrift auf einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung öffentlich beglaubigen.
Betreuungskraft
Eine zusätzliche Betreuungskraft (§ 43b SGB XI) kümmert sich in Pflegeeinrichtungen um Betreuung und Aktivierung, zum Beispiel gemeinsames Singen, Spazieren oder Erinnerungsarbeit.
Auch: Alltagsbegleiter, Betreuungsassistent, Präsenzkraft, § 43b SGB XI
Betreuungsverein
Ein anerkannter Verein, der ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer schult und begleitet, selbst rechtliche Betreuungen führt und zu Vollmachten berät.
Betreuungsverfügung
Eine schriftliche Festlegung, wen das Gericht als rechtliche Betreuung bestellen soll, falls eine Betreuung nötig wird. Sie greift, wenn keine Vorsorgevollmacht besteht.
Biografiearbeit
Das bewusste Einbeziehen der Lebensgeschichte eines Menschen. Vertraute Erinnerungen, Gewohnheiten und Vorlieben geben Sicherheit und erleichtern die Begleitung.
Auch: Erinnerungsarbeit
D
Dekubitus
Eine Hautschädigung durch anhaltenden Druck, wenn jemand lange liegt oder sitzt. Auch Druckgeschwür oder Wundliegen genannt. Regelmäßige Bewegung beugt vor.
Auch: Druckgeschwür, Wundliegen, Druckstelle
Delir
Ein Delir ist eine plötzliche, meist vorübergehende Verwirrtheit. Auslöser sind oft Infekte, Flüssigkeitsmangel, Medikamente oder ein Krankenhausaufenthalt. Anders als eine Demenz kommt es rasch und ist meist behandelbar, sollte aber schnell ärztlich abgeklärt werden.
Auch: Akute Verwirrtheit, Durchgangssyndrom
Demenz
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns. Dabei lassen Gedächtnis, Denken, Orientierung und Sprache nach und nach nach, bis der Alltag Unterstützung braucht. Demenz ist keine normale Alterserscheinung, sondern eine Erkrankung.
Differenzialdiagnose
Das sorgfältige Unterscheiden ähnlicher Ursachen. Bevor eine Demenz feststeht, werden andere Gründe für die Beschwerden geprüft, etwa eine Depression, ein Delir oder ein Vitaminmangel.
Dysphagie
Eine Störung des Schluckens. Essen und Trinken fällt schwer, und es kann leichter etwas in die Luftröhre geraten. Das braucht besondere Aufmerksamkeit.
Auch: Schluckstörung
E
Entlastungsbetrag
Ein monatlicher Betrag der Pflegeversicherung, mit dem anerkannte Betreuungs- und Entlastungsangebote bezahlt werden können, etwa Betreuungsgruppen oder Alltagshilfen.
Auch: § 45b SGB XI
Ergotherapie
Eine Therapie, die mit alltagsnahen Übungen und Beschäftigungen hilft, Fähigkeiten und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.
F
Freiheitsentziehende Maßnahmen
Maßnahmen, die einen Menschen in seiner Bewegungsfreiheit einschränken, zum Beispiel Bettgitter, ein Bauchgurt oder eine verschlossene Tür. Sie sind ein schwerer Eingriff und brauchen die Einwilligung der betroffenen Person oder ihrer Vertretung und in der Regel die Genehmigung des Betreuungsgerichts.
Auch: FeM, Fixierung
Frontotemporale Demenz
Eine seltenere Demenzform, die zuerst Verhalten und Persönlichkeit verändert, weniger das Gedächtnis. Sie kann bereits in jüngeren Jahren beginnen.
Auch: FTD, Pick-Krankheit
G
Gedächtnissprechstunde
Eine Spezialsprechstunde (auch Memory-Klinik) an Kliniken oder bei Fachärzten, die Gedächtnisprobleme genauer abklärt und bei der Diagnose hilft.
Auch: Memory-Klinik, Gedächtnisambulanz
Gesetzliche Betreuung
Eine vom Betreuungsgericht bestellte Person, die eine nicht mehr entscheidungsfähige Person in festgelegten Bereichen rechtlich vertritt. Sie soll nach deren Wünschen handeln.
Auch: Rechtliche Betreuung, Betreuer
H
Halluzination
Eine Wahrnehmung ohne wirklichen Anlass: Betroffene sehen, hören oder fühlen Dinge, die nicht da sind. Für sie sind diese Eindrücke echt.
Auch: Trugwahrnehmung, Sinnestäuschung
Heimaufsicht
Die Behörde, die Pflegeheime und betreute Wohnformen kontrolliert und die Rechte der Bewohnerinnen und Bewohner schützt. In Sachsen-Anhalt gilt dafür ein eigenes Landesgesetz.
Herausforderndes Verhalten
Verhalten wie Unruhe, Rückzug oder Abwehr, das für die Umgebung schwierig ist. Es ist meist Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses (etwa nach Sicherheit oder Nähe) und hat einen Sinn.
K
Kognitive Fähigkeiten
Damit sind die geistigen Fähigkeiten gemeint: denken, sich erinnern, sich orientieren, planen und sprechen. Bei einer Demenz lassen diese Fähigkeiten nach.
Auch: Geistige Fähigkeiten
Konfabulation
Erinnerungslücken werden unbewusst mit erfundenen Inhalten gefüllt. Betroffene lügen dabei nicht, sondern halten das Erzählte selbst für wahr.
Kontraktur
Ein Gelenk versteift, weil es lange nicht bewegt wurde, und lässt sich nur noch eingeschränkt beugen oder strecken. Regelmäßige Bewegung beugt vor.
Auch: Gelenkversteifung
Kurzzeitpflege
Eine vorübergehende vollstationäre Pflege in einer Einrichtung, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die häusliche Pflege kurzfristig nicht möglich ist.
L
Leichte kognitive Beeinträchtigung
Das Gedächtnis oder das Denken ist messbar schlechter als für das Alter üblich, der Alltag gelingt aber noch weitgehend selbstständig. Es ist eine mögliche Vorstufe einer Demenz, muss sich aber nicht zu einer entwickeln.
Auch: MCI, Leichte kognitive Störung
Lewy-Körperchen-Demenz
Eine Demenzform mit stark schwankender Wachheit und Aufmerksamkeit, häufig zusammen mit Bewegungsstörungen und teils mit Trugbildern (Halluzinationen).
Auch: Lewy-Body-Demenz, LBD
Logopädie
Eine Therapie für Sprache, Sprechen und Schlucken. Sie kann helfen, wenn das Sprechen oder das Schlucken schwerfällt.
Auch: Sprachtherapie
M
Milieutherapie
Die bewusste Gestaltung der Umgebung: vertraute Gegenstände, klare Orientierung, ruhige Atmosphäre. Eine gut gestaltete Umgebung gibt Sicherheit und Halt.
Auch: Milieugestaltung
Mini-Mental-Status-Test
Ein kurzer Test mit einfachen Fragen und Aufgaben, etwa nach Datum, Merken von Wörtern und Rechnen. Er gibt einen ersten Anhaltspunkt, wie stark das Denken beeinträchtigt ist, ersetzt aber keine Diagnose.
Auch: MMST, MMSE
Mischform
Von einer Mischform spricht man, wenn mehrere Demenzarten gleichzeitig vorliegen, am häufigsten Alzheimer gemeinsam mit einer vaskulären Demenz.
Auch: Gemischte Demenz
Multimorbidität
Mehrere Krankheiten bestehen gleichzeitig. Das ist im höheren Alter häufig und macht Behandlung und Pflege anspruchsvoller.
Auch: Mehrfacherkrankung
N
Neuroleptika
Medikamente gegen starke Unruhe, Wahn oder Halluzinationen. Bei Demenz werden sie nur zurückhaltend und möglichst kurz eingesetzt, weil sie erhebliche Nebenwirkungen haben können.
Auch: Antipsychotika
Nichtmedikamentöse Maßnahmen
Hilfen ohne Medikamente, zum Beispiel Bewegung, Musik, Erinnerungsarbeit, Tagesstruktur und wertschätzende Kommunikation. Sie sind ein wichtiger Teil der Begleitung.
O
Orientierung
Die Fähigkeit, sich in Zeit, Ort, zur eigenen Person und zur Situation zurechtzufinden. Orientierungsprobleme gehören zu den ersten Anzeichen einer Demenz.
P
Palliativversorgung
Die Begleitung schwer und unheilbar kranker Menschen. Ziel ist nicht Heilung, sondern Beschwerden zu lindern und Lebensqualität und Würde bis zuletzt zu erhalten.
Auch: Palliative Care, Palliativpflege
Patientenverfügung
Eine schriftliche Festlegung, welche medizinischen Behandlungen man in bestimmten Situationen wünscht oder ablehnt, falls man sich selbst nicht mehr äußern kann.
Personzentrierter Ansatz
Ein Grundgedanke (nach Tom Kitwood): Der Mensch bleibt Person und steht im Mittelpunkt, nicht die Krankheit. Verhalten wird als Ausdruck eines Bedürfnisses verstanden.
Auch: Personzentrierte Pflege, Kitwood
Pflegebegutachtung
Die Prüfung, welcher Pflegegrad vorliegt. Eine gutachtende Person (bei gesetzlich Versicherten der Medizinische Dienst) besucht die pflegebedürftige Person und bewertet ihre Selbstständigkeit.
Auch: Medizinischer Dienst, MD
Pflegeberatung
Sie haben ein Recht auf kostenlose Pflegeberatung (§ 7a SGB XI). Die Pflegekasse hilft Ihnen, die passenden Leistungen zu finden und Anträge zu stellen. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld vermittelt das Demenznetz eine wohnortnahe Beratung.
Auch: § 7a SGB XI
Pflegegeld
Eine Geldleistung der Pflegeversicherung an pflegebedürftige Menschen, die zu Hause von Angehörigen oder Nahestehenden gepflegt werden.
Pflegegrad
Die Einstufung, wie selbstständig ein Mensch noch ist. Es gibt fünf Pflegegrade; je höher der Pflegegrad, desto mehr Leistungen stehen zu.
Auch: Pflegestufe
Pflegesachleistung
Leistungen der Pflegeversicherung für die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst. Die Kosten rechnet der Dienst direkt mit der Pflegekasse ab.
Auch: Ambulanter Pflegedienst
Pflegestützpunkt
Ein Pflegestützpunkt ist eine wohnortnahe Anlaufstelle. Er berät neutral und kostenlos zu Pflege und Unterstützung im Alltag und vermittelt Angebote vor Ort.
Polypharmazie
Die gleichzeitige Einnahme vieler verschiedener Medikamente. Sie sollte regelmäßig überprüft werden, weil sich Mittel gegenseitig beeinflussen können.
Auch: Vielfachmedikation
R
Realitätsorientierung
Ein Ansatz, der über Kalender, Uhren, Beschriftungen und wiederkehrende Hinweise die Orientierung in Zeit und Ort unterstützt.
Auch: ROT, Realitäts-Orientierungs-Training
S
Selbsthilfegruppe
Ein regelmäßiges Treffen von Menschen in ähnlicher Lage, oft pflegende Angehörige. Der Austausch entlastet, gibt Halt und praktische Tipps.
Auch: Angehörigengruppe
Snoezelen
Ein Angebot in einem ruhigen Raum mit sanftem Licht, Klängen und angenehmen Materialien. Es soll entspannen und die Sinne wohltuend anregen.
Sundowning
Manche Menschen mit Demenz werden am späten Nachmittag oder Abend unruhiger, ängstlicher oder verwirrter. Man nennt dieses abendliche Muster Sundowning.
Auch: Abenddämmerungsphänomen
T
Tagespflege
Eine teilstationäre Betreuung: Menschen mit Pflegebedarf werden tagsüber in einer Einrichtung betreut und kehren abends nach Hause zurück. Das entlastet pflegende Angehörige.
Auch: Teilstationäre Pflege
U
Uhren-Test
Bei diesem Test soll eine Person das Zifferblatt einer Uhr aufmalen und eine bestimmte Uhrzeit eintragen. Schwierigkeiten dabei können ein Hinweis auf eine Demenz sein.
Auch: Uhrentest, Zeichentest
V
Validation
Eine wertschätzende Haltung im Umgang mit Menschen mit Demenz: Man nimmt ihre Gefühle und ihr Erleben ernst, statt sie zu korrigieren. Das gibt Sicherheit und nimmt Druck.
Vaskuläre Demenz
Eine Demenzform, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht, oft nach kleinen Schlaganfällen. Sie verläuft häufig stufenweise: Phasen der Verschlechterung wechseln sich mit stabilen Phasen ab.
Auch: Gefäßbedingte Demenz
Verhinderungspflege
Eine Ersatzpflege, wenn die pflegende Person vorübergehend ausfällt (Urlaub, Krankheit). Die Pflegeversicherung übernimmt dann für einen begrenzten Zeitraum die Kosten.
Auch: Ersatzpflege
Vorsorgevollmacht
Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmt man selbst eine Vertrauensperson, die im Ernstfall Entscheidungen übernimmt (etwa zu Gesundheit, Aufenthalt oder Finanzen). So lässt sich eine gerichtliche Betreuung oft vermeiden.
Auch: Vollmacht
W
Wahn
Eine feste Überzeugung, die nicht der Wirklichkeit entspricht und sich durch Erklärungen nicht auflösen lässt, zum Beispiel der Gedanke, bestohlen zu werden.
Auch: Wahnvorstellung
Wohnberatung
Beratung, wie sich die Wohnung sicherer und barrierefreier gestalten lässt, zum Beispiel Haltegriffe oder ein bodengleiches Bad. Für solche Anpassungen kann die Pflegekasse einen Zuschuss zahlen.
Auch: Wohnraumanpassung
Z
Zehn-Minuten-Aktivierung
Kurze, regelmäßige Beschäftigungseinheiten, die mit vertrauten Gegenständen und Themen Erinnerungen und Sinne anregen.
Auch: 10-Minuten-Aktivierung
Kein Begriff gefunden.
