Wir sind am Ende des Kurses. Neun Lektionen lang ging es darum, was Sie tun können. Diese letzte handelt davon, was Sie nicht allein tragen müssen.
Warum gerade dieses Thema so zehrt
Aggressive Vorfälle sind nie einfach — und besonders schwer, wenn man den anderen Menschen liebt und sich täglich um ihn kümmert. Anders als bei fast allem sonst in der Pflege trifft es hier die Beziehung selbst. Angeschrien zu werden von jemandem, mit dem man ein Leben teilt, hinterlässt etwas, auch wenn man alles Fachliche verstanden hat.
Deshalb möchte ich diesen Satz sehr deutlich sagen: Sie müssen nicht unbegrenzt belastbar sein, und Sie müssen es auch nicht werden. Ihre Grenze ist kein Charakterfehler. Sie ist eine Information.
Was in der Situation schützt
- Gehen ist erlaubt. Wenn es zu viel wird, verlassen Sie kurz die Situation — sofern die Person allein sicher ist — oder holen Sie jemanden dazu.
- Ihre eigene Sicherheit geht vor. Bei körperlicher Bedrohung: Abstand, Weg freihalten, notfalls den Raum verlassen und Hilfe rufen. Das ist kein Verrat.
- Ein Nachher einplanen. Nach einem Vorfall zittert man, auch wenn längst wieder Ruhe ist. Fünf Minuten allein, ein Anruf, frische Luft — das gehört dazu.
Was auf Dauer trägt
Sprechen Sie über Ihre Gefühle und suchen Sie sich Abstand. Am wirksamsten ist dabei der Austausch mit Menschen, die dasselbe erleben — in einer Angehörigengruppe hört niemand zum ersten Mal, dass ein geliebter Mensch geschrien hat.
Und wenn sich die Ereignisse häufen, besprechen Sie die Situation mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Das ist keine Kapitulation, sondern der nächste sinnvolle Schritt.
- Demenznetz Anhalt-Bitterfeld — kostenfreie Beratung, Angehörigengruppen und Vermittlung vor Ort. Wir kennen die Angebote in der Region.
- Kurse für pflegende Angehörige — hier lernen Sie den Umgang mit schwierigem Verhalten praktisch und im Austausch. Solche Trainings verbessern nachweislich die Situation für beide Seiten. Pflegekassen bieten sie kostenfrei an.
- Pflegestützpunkt und Pflegekasse — Pflegegrad, Verhinderungspflege, Tagespflege, Entlastungsbetrag.
- Hausarztpraxis — erste Adresse für alles Körperliche und für die Frage nach Medikamenten.
- Stundenweise Betreuung und Tagespflege — besonders wertvoll in der schwierigsten Tageszeit.
- Nachtpflege — wenn die Nächte dauerhaft nicht mehr tragbar sind.
Und wenn es zu Hause nicht mehr geht?
Manchmal ist der Punkt erreicht, an dem die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist. Ein Umzug in eine Einrichtung kann dann neue Stabilität bringen — für die erkrankte Person und für Sie.
Das ist kein Scheitern, sondern eine Entscheidung für mehr Lebensqualität. Viele Angehörige berichten, dass die Beziehung danach wieder besser wurde, weil sie nicht mehr zuständig sein mussten, sondern wieder Partnerin, Tochter, Sohn sein konnten.